Nach dem Frühstück – also so um 12:30 Uhr – ist mir eingefallen, dass ich mir ja den Berliner Karneval mal antun wollte. Leider hatte ich vergessen wann und vor allem wo der Zug geht. Mangels Internet bin ich trotzdem mal auf gut Glück losgezogen. Meine Intuition hat mich zur Französischen Straße gezogen, was ein hundertprozentiger Volltreffer war. Viele Menschen standen hier in herrlichem Sonnenschein und schauten freudig dem Zug, der hier grade erst begonnen hatte. Stuessy ist eben gut. 
Ich als Rheinländer war ja dann doch mehr als skeptisch und habe etwas nach der Art „gewollt aber nicht gekonnt“ erwartet wurde was das angeht aber dann wenigstens etwas enttäuscht. (Merwürdiges Satzkonstrukt. Ich wollte sagen, dass es besser als erwartet war.) 4000 Jecken die mit 60 Wagen unterwegs waren können sich durchaus sehen lassen. Die meisten Festwagen waren allerdings einfallslos geschmückt. Der Prinzenwagen, der den Zug anführte, war mit einer Werbung von „Pizza Hut“ dekoriert, der Wagen von Kaiser’s war eigentlich gar nicht geschmückt und war nur eine rollende Werbetafel, genauso wie die Gruppe von Audi-Cabrios die von einem Autohaus gestellt wurden. Was aber mal echt gar nicht ging, waren die drei Schützenzüge die sich auch im Trek eingegliedert hatten. Das ließ mich dann doch ein wenig verstört zurück.
Wenn aber Berliner Wagenbauer was können und auf der Loveparade gelernt haben, dann ist es Beschallungsanlagen auf Anhänger montieren. Also was das angeht macht denen echt keiner was vor. Glasklarer Klang in einer wahnsinns Lautstärke und mit wummendern Bässen, die mir die Falten aus dem Sack gehauen haben, sind schon mehr als nur extrem geil. Das beste aber ist, das ich (so gut wie) keine verschissene Kölner Karnevalsmusik hören musste. Grade die Wagen der Berliner-Radiosender und des THW wussten mit gefälligen Klängen zu gefallen. Seltsamerweise ist sogar der Sound des BVG Club Liner (z.B. Run DMC – It’s Like That) nicht nur bei mir besonders gut angekommen. Alles in allem also ein Karneval wie er mir eigentlich gut gefällt.
Was rufen Berliner eigentlich? Tja, diese Frage scheint sich der Berliner an Sich auch zu fragen, auf schallende „BERLIN“-Rufe folgte meist nur ein lautes gemurmel. Erst dachte ich ja sie rufen Helau (was durchaus auch etliche gemacht haben), aber eigentlich ist Heijo der offizielle Ruf. Wobei man sich auch hier nicht sicher zu sein scheint, ob es Hai-Jo oder Hey-Jo ausgesprochen wird. Naja, aber was will man erwarten, wenn man Traditionszüge mit dem Gründungsjahr 2004 hat? Der komplette offizielle Ruf ist übrigens: Berlin - Heijo, Berlin - Heijo, Karneval Spree - Ole Ole Ole!!
Ich denke der Berliner Karneval hat durchaus Potential. Man ist noch ein wenig auf der Suche nach einer eigenen Identität, aber es ist durchaus bereits sehr mögig. Die Lokation ist übrigens der Hammer, da können Köln und D’dorf echt nicht mithalten. Französische Straße, Humboldt Universität, Museeums Insel und Berliner Dom sind einfach unglaublich schön. Die Straßen dort sind außerdem extrem breit und können locker noch ‘ne Million Menschen aufnehmen.
Als der Zug zuende war, habe ich mich noch ein wenig am Berliner Schloss Platz, wo auch das Festzelt stand, aufgehalten, aber bevor ich wieder derbe abfuckt geworden wäre, wegen alleine da sein und so, bin ich dann lieber nach Hause gefahren – man soll schließlich aufhören wenn’s am schönsten ist und so ist mein Fazit: Das hat Spaß gemacht! Drei Stunden Karneval in einer Session reichen mir aber dann auch. In diesem Sinne: Hellau, Alaaf und Heijo! 
Übrigens! Auf Berlin.de gibt’s ‘ne Fotostrecke.